Zu viele
Im Kopf sind Wanzen, ich werd abgehört. Ein Gedanke wird vom zweiten gestört.
Frequenzen überlagern sich. Rauschen beginnt, weil viel zu viele im Kopf sind.
Dieses Wort, jenes Wort: passen nicht zusammen. Ich kann nicht erkennen,
von welchem Sender sie stammen.
Sie lassen sich nicht zu Sätzen verbinden. Ich kann die Synthese nicht finden.
Absicht und Botschaft neutralisieren sich. Ich komme nicht weiter und verausgabe mich.
Rede und Gegenrede: ewiges Paar. Und plötzlich ein Krater, wo die Wahrheit war.
Die Gedanken werden innen vor die Richter gebracht. Verneint, beweint und zunichte gemacht.
Gescannt, zerissen und zerschunden, gewogen und für zu leicht befunden.
Innen sind die Raubtiere. Die Schauspiele. Alle Geräusche.
Bewegung und Gegenbewegung. Woll’n alle hinaus und heim.
Woll’n Stimme werden und Wortsturm. Durchklingen, sich eintragen.
Zur Welt kommen und Wort werden. Am Wort bleiben und sein.
Innen finden die Schauspiele statt. Suche das Wort, das die Zauberkraft hat.
Wir sind alle dabei, aber keiner gewinnt. Weil viel zu viele im Kopf sind.
Und der Wonderful Somebody, der alles weiß, sagt: „Ich will, dass du schweigst.
Ich lass deine Worte so nicht passieren. Du musst sie noch viel besser organisieren.
Hör, wie die Stille durchs Fenster wächst, während du dich hinter meinem Gesicht versteckst.
Du kannst nichts tun und nichts gestalten. Deine Aufgabe ist das Durchhalten.“
Ich sage nichts. Was soll ich auch sagen?
Irgendwer hat meinem Satz den Kopf abgeschlagen.
Es bleibt nichts übrig, das für alle stimmt, weil zu viele im Kopf sind.
Innen sind die Raubtiere. Die Schauspiele. Alle Geräusche.
Bewegung und Gegenbewegung. Woll’n alle hinaus und heim.
Woll’n Stimme werden und Wortsturm. Durchklingen, sich eintragen.
Zur Welt kommen und Wort werden. Am Wort bleiben und sein.
Der Wonderful Somebody, der mein Leben checkt, paßt auf, dass keiner von uns aneckt,
dass alles verträglich und sicher geschieht. Ich bin nur die Figur aus seinem Lied.
Der Wonderful Somebody hat Schablonen: vorgefertigte Situationen.
Ich übernehm sie und wende sie an als Muster, nach denen ich vorgehn kann.
Die Vorlage zeigt, was gut und was schlecht ist, was Unrecht und was Recht ist.
Worte und Phrasen, die man verwendet, werden im Kopf einfach eingeblendet.
Ich geh mit der Anweisung, die sie mir zeigen, raus aus dem Schweigen.
Mach Worte wie ein präzises Gerät mit fast unbegrenzter Kapazität.
Nun sind da keinerlei Störfrequenzen, keine inneren Korrespondenzen.
Nur noch das Surren der Maschinerie ... Thank you, my Wonderful Sombody.
Innen sind die Raubtiere. Die Schauspiele. Alle Geräusche.
Bewegung und Gegenbewegung. Woll’n alle hinaus und heim.
Woll’n Stimme werden und Wortsturm. Durchklingen, sich eintragen.
Zur Welt kommen und Wort werden. Am Wort bleiben und sein.
Innen finden die Schauspiele statt. Suche das Wort, das die Zauberkraft hat.
Wir sind alle dabei, aber keiner gewinnt.
Weil viel zu viele im Kopf sind.